Deutsche Aussprache von Ö – Lippenrundung ist nicht alles
- Benjamin Rannig

- vor 7 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 6 Tagen
Die Aussprache der deutschen Umlaute gehört zu den häufigsten und hartnäckigsten Fehlerquellen bei Nicht-Muttersprachlern. Besonders der Umlaut Ö bereitet vielen Lernenden Schwierigkeiten – auch auf fortgeschrittenem Niveau.
Das liegt auch daran, dass im Deutschen mehrere unterschiedliche Ö-Laute existieren, die sich im Klang, in der Artikulation und in der Dauer unterscheiden. In vielen Lehrwerken wird dieser Unterschied stark vereinfacht oder gar nicht erklärt.
Hier lernst du die akzentfreie Aussprache von Ö im Deutschen systematisch – so, dass du verstehst, warum ein Wort wie „schön“ anders klingt als „Köln“ oder „ökologisch“ (und was das Wort „Burger“ damit zu tun hat).
Wie viele Ö-Laute gibt es im Deutschen?
Es gibt drei verschiedene Vokale, durch die der Buchstabe Ö in der Aussprache realisiert werden kann. Zusätzlich gibt es einen vierten Vokal, der zwar nichts mit dem Buchstaben Ö zu tun hat, klanglich aber eng dazugehört.
Wir unterscheiden konkret:
Gespannter, langer Vokal /øː/
Dieser Vokal wird häufig einfach „langes Ö“ genannt. Er ist gespannt, das heißt, die Zunge wird ziemlich weit angehoben und die Lippen werden sichtbar gerundet.
Beispiel: schön
Gespannte Vokale sind ein zentraler Faktor für eine klare, gut verständliche und möglichst akzentfreie Aussprache im Deutschen. Im folgenden Video lernst du anhand konkreter Beispiele, wie das gespannte, lange Ö im Deutschen gebildet wird und worin er sich klanglich vom gespannten E sowie Ü unterscheidet.
Aussprache des gespannten, langen Ö zusammengefasst
die Zunge hebt sich ein wenig weiter hinten an als bei /eː/ wie in „See“
der vordere Teil der Zunge hebt sich zum Gaumen (nicht ganz so weit vorn wie bei /eː/)
die Zungenspitze berührt die unteren Schneidezähne oder ist kurz dahinter
der Mund ist nur leicht geöffnet, aber ein bisschen mehr als bei /yː/
die Lippen sind gerundet und etwas nach vorn gestülpt
Gespannter, kurzer Vokal /ø/
Dieser Laut hat die gleiche Qualität wie der lange gespannte Ö-Laut, ist aber deutlich kürzer. Er kommt nur in unbetonten Silben vor.
Beispiel: ökologisch
Ungespannter, kurzer Vokal /œ/
Dieser Laut unterscheidet sich deutlich im Klang vom gespannten Ö. Er ist ungespannt, das heißt, die Zunge ist lockerer (nicht so weit angehoben), die Lippen sind nur leicht gerundet.
Ungespannt bedeutet auch: Der Laut erlaubt mehr Variation. Der Bereich, in dem Muttersprachler diesen Vokal produzieren und wahrnehmen, ist größer.
Beispiel: Köln
Ungespannter, langer Vokal /œː/ (kein Ö!)
Dieser Laut ist die lange Variante des kurzen ungespannten Ö-Lauts – wird aber in der Schrift nicht durch den Buchstaben Ö repräsentiert.
Beispiel: Burger
Aussprache von Ö auf Deutsch – Lippenrundung ist wichtig, aber nicht alles
Oft hört man im Unterricht:
„Sprich ein E und runde dabei die Lippen.“
Das kann als erste Orientierung helfen, ist aber keine vollständige Erklärung.
In der Grafik sieht man deutlich, dass sich die Zunge beim gespannten Ö-Laut /øː/ weiter hinten anhebt, als beim gespannten /eː/.

Für die korrekte Aussprache der Ö-Laute ist also entscheidend:
die Position der Zunge
der Zahnreihenabstand
Die Lippenrundung ist wichtig – aber sie macht nicht die Hauptarbeit. Diese übernimmt vor allem die Zunge.


Lippenrundung beginnt früher, als du denkst
Die Lippenrundung beginnt schon vor dem eigentlichen Vokal.
Beispiele:
Öl – [øːl] → Lippenrundung bereits vor [øː], Auflösung erst bei [l]
größer – [ˈgʁøːsɐ] → Lippen sind schon bei [gʁ] gerundet
Möwe – [ˈmøːvə] → Lippenrundung beginnt bei [m], endet bei [v]
Das ist entscheidend, weil die Qualität des Vokals sonst verfälscht wird und ein Diphthong entstehen kann.
Fazit: Ö richtig aussprechen heißt verstehen, nicht raten
Wichtig bei der Aussprache von Ö im Deutschen:
Es gibt mehrere Ö-Laute.
Länge und Qualität sind entscheidend.
Lippenrundung allein reicht nicht.
Die Zunge übernimmt den Hauptteil der Arbeit.
Wer diese Unterschiede bewusst hört und versteht, kann die Ö-Laute zuverlässig unterscheiden – und damit einen der typischsten Akzentmarker im Deutschen deutlich reduzieren.

















Kommentare