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Sprachenlernen im Erwachsenenalter: Warum Fortschritt ungleichmäßig verläuft

  • Autorenbild: Dr. Alfred Knapp
    Dr. Alfred Knapp
  • vor 4 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit

Viele Erwachsene fragen sich, ob es ab einem bestimmten Alter grundsätzlich schwieriger wird, eine neue Sprache zu lernen, oder ob es sogar ein Alter gibt, ab dem Spracherwerb nicht mehr möglich ist.


Vielleicht geht es dir ganz genauso: Trotz hoher Motivation und Intelligenz stößt du beim Deutschlernen ab einem gewissen Punkt an Grenzen. Das ist kein Zufall, sondern eine Folge der inneren Organisation des Sprachsystems.


Dieser Artikel behandelt das Thema ausführlich.


Wenn du die Kerngedanken in kompakter, leichter zugänglicher Form lesen möchtest, findest du hier eine Zusammenfassung:



Der Erwerb unserer Erstsprache erfolgt in der Regel ohne das Eingreifen eines Sprachpädagogen. Es genügt, in die uns umgebende Kommunikation mit Erwachsenen und/oder anderen Kindern eingebunden zu werden. Bereits im Alter von fünf bis sechs Jahren sind wir kompetente Sprecher unserer Erstsprache(n). Wir lernen zwar auch danach noch eine Menge, aber das Sprachenlernen im Erwachsenenalter betrifft vor allem die lexikalische Bereicherung, stilistische Nuancen, das Schreiben, die Kunst, sich gewandt in verschiedenen Situationen auszudrücken.


Warum Sprachenlernen im Erwachsenenalter anders funktioniert als bei Kindern


Dieses Bild unterscheidet sich ziemlich stark von dem, was wir empfinden, wenn wir später als Erwachsene eine weitere Sprache lernen. Jeder erinnert sich an die Schwierigkeiten, Wörter zu behalten, Wörter auszusprechen und Wörter zu verstehen, wenn sie von dem Fremden vor uns in Höchstgeschwindigkeit produziert werden.


Wenn es ums Sprechen geht, müssen wir sie in der richtigen Reihenfolge und – je nach Sprache – in der richtigen grammatikalischen Form anordnen, mit all ihren Präfixen, Suffixen usw.: eine unerschöpfliche Fehlerquelle.


Der zweite große Unterschied liegt im Ergebnis. Während wir aus unserem ersten Spracherwerb als kompetente Sprecher hervorgehen, ist das Resultat beim späteren Erwerb schwankender. Wir behalten einen fremden Akzent, haben nicht den gleichen schnellen Zugang zu Tausenden von Wörtern und Nuancen, verstehen nur schwer, sobald ein Muttersprachler eine etwas lokale Variante der Sprache spricht. Einige Bereiche werden bereits auf unterschiedliche Weise erworben, wenn der Erwerb später beginnt.


Wenn das Erlernen einer Sprache eine Sache der Intelligenz, des grammatikalischen Wissens oder der kulturellen Bildung wäre, müssten Erwachsene beim Erwerb einer weiteren Sprache besser abschneiden als Kinder. Das ist jedoch nicht der Fall. Um diese Tatsache zu verstehen, muss man die interne Organisation des sprachlichen Systems betrachten.


Intelligenz erklärt den Unterschied nicht


Drei Begriffe sind hier entscheidend:


  • die Sprachfähigkeit

  • die sensiblen Perioden

  • die Modularität des kognitiven Systems


Sprachfähigkeit als Reifungs- und Selektionsprozess


Die Sprachfähigkeit ist eine von mehreren höheren geistigen Fähigkeiten des Menschen. Sie ist auf den Erwerb menschlicher Sprache spezialisiert und durchläuft – wie andere geistige Systeme – einen Reifungsprozess.


Unter dem Einfluss des Kontakts mit einer oder mehreren Sprachen wählt sie die Konstruktionsroutinen aus, die für diese Sprache typisch sind: Wortstellung, phonologisches System, Morphologie.


Wenn das Sprachvermögen einen bestimmten Reifungspunkt erreicht hat, stabilisiert es sich und wird weniger zugänglich für Systeme, die für andere Sprachen charakteristisch sind. Der Spracherwerb ist sowohl ein Reifungs- als auch ein Selektionsprozess. Wir lernen zum Teil durch Verlernen.


Die sensiblen Perioden beim Spracherwerb


Der erfolgreiche Erstspracherwerb findet nicht zu jedem beliebigen Zeitpunkt unseres Lebens statt: Er muss in den ersten fünf Lebensjahren erfolgt sein. Nach Ablauf dieser Frist beginnt sich dieses „optimale Zeitfenster“ relativ schnell zu schließen.


Wenn ein Kind in dieser Zeit täglich mit zwei oder drei Sprachen in Kontakt kommt (Erwachsene, die in ihren jeweiligen Sprachen mit ihm sprechen und so ihre Interaktion mit dem Kind über einen ausreichend langen Zeitraum etablieren), wird es zwei oder drei „erste“ Sprachen entwickeln (die Muttersprache, die Vatersprache, die Sprache der Nanny, die ausschließlich eine dritte Sprache spricht, die in der Kindertagesstätte verwendete Sprache ...).


In diesem Fall werden Aussprache, Prosodie, verbale und nominale Morphologie und Syntax mit unübertroffener Genauigkeit und Robustheit weitgehend fehlerfrei erworben.


Sobald man dieses Alter überschritten hat, werden bestimmte Bereiche wie z. B. die Deklination von Nomen nicht mehr „nativ“ erworben. Andererseits gibt es Bereiche wie der Wortschatz, die viel länger für den Erwerb zugänglich bleiben – sogar bis zu einem Niveau, das mit dem eines Muttersprachlers vergleichbar ist.


Ein besonders interessantes Beispiel ist der polnischstämmige englische Schriftsteller Joseph Conrad: Sein lexikalischer Umfang in der Schriftsprache war sicherlich größer als der von vielen englischen Muttersprachlern, aber er sprach diese Sprache mit einem sehr starken polnischen Akzent und deutlich weniger flüssig als jedes englischsprachige Kind von 6 Jahren.


Ein Kind, das in der „kritischen“ Phase (0-4 Jahre) keine „sprachliche Nahrung“ erhalten hat, wird mehr oder weniger schwere Folgen auf sprachlicher Ebene (und wahrscheinlich auch in anderen kognitiven Bereichen) behalten. Je älter wir werden, desto schwieriger wird es für uns, so weit zu kommen, wie wir gekommen wären, wenn wir sehr früh angefangen hätten. Die Tatsache, dass wir im Alter von 20 Jahren eine Fremdsprache weniger gut und weniger leicht lernen, ist eine der Manifestationen dieser „sensiblen Periode“.


Infografik: Warum du Fremdsprachen als Erwachsener anders lernst

Modularität: Warum Fortschritt beim Sprachenlernen im Erwachsenenalter ungleichmäßig bleibt


Dabei ist Sprache kein einheitliches System. Das Sprachvermögen zerfällt in mehrere Untermodule: Lexikon, Phonologie, Morphologie, Syntax. Diese Module sind teilweise unabhängig voneinander.


Genau diese Modularität erklärt, warum Fortschritte in einer Fremdsprache so ungleichmäßig verlaufen können.


  • Man kann über einen großen Wortschatz verfügen und dennoch große Schwierigkeiten bei der Aussprache haben.

  • Man kann grammatische Formen korrekt verwenden und trotzdem nur langsam sprechen.

  • Man kann komplexe Texte verstehen und dennoch akustisch limitiert bleiben.


Wie ich bereits erwähnt habe, schließt sich das „Fenster der (optimalen) Gelegenheit“ für einige Bereiche – oder „Module“ – früher als für andere. So bleibt ein Teil des lexikalischen Bereichs lange für den Erwerb zugänglich, während andere (Phonologie, Phonetik, Morphologie ...) schon früh „dicht machen“, wobei es von Person zu Person große Unterschiede gibt.


Dies kann erklären, warum jeder von uns diesen oder jenen „schwierigen“ Aspekt beim Erlernen einer Fremdsprache empfindet.


Fragen wie, ob man mit 40, 50 oder 65 noch eine Sprache lernen kann, setzen voraus, dass Spracherwerb eine einheitliche Fähigkeit ist.


Gerade diese Modularität erklärt, warum viele Lernende Deutsch sehr gut verstehen, im Gespräch aber blockieren. Das Problem ist dann nicht fehlendes Wissen, sondern fehlende Automatisierung unter Zeitdruck.


Welche kleinen, realistischen Strategien helfen, trotzdem spontan zu reagieren – ohne perfekte Antworten zu suchen – zeigen wir hier:


Wir lernen Fremdsprachen nicht additiv


Hinzu kommt, dass späteres Lernen nicht additiv verläuft. Es ist kein bloßes Hinzufügen neuer Formen. Der Erwerb einer weiteren Sprache im Erwachsenenalter bedeutet Konkurrenz zwischen Systemen. Die etablierten Routinen der Erstsprache verschwinden nicht. Der Übergang vom Sprachsystem der Erstsprache zum Sprachsystem der Zweitsprache stößt auf eine Reihe von Hindernissen und kann auf mehreren Ebenen scheitern. Lernen bedeutet hier häufig Destabilisieren, Umlernen, Neuorganisieren.


Daher erreichen erwachsene Lernende auch unter günstigen Bedingungen selten eine vollständig native Beherrschung. Das ist kein Defizit an Motivation oder Intelligenz, sondern eine Konsequenz der internen Architektur des sprachlichen Systems. Bestimmte Strukturen können versteinern. Diese sogenannte „Fossilisierung“ in einem Zwischenstadium ist ein bekanntes Phänomen.


Viele Erwachsene reagieren auf diese Systemkonkurrenz mit übermäßiger Vorsicht – sie sprechen weniger, vermeiden Risiken und wollen Fehler um jeden Preis verhindern. Paradoxerweise verstärkt genau das die Fossilisierung.


Warum Fehler kein Risiko, sondern eine notwendige Bedingung für nachhaltigen Umbau des Sprachsystems sind, erklären wir hier ausführlich:


Gibt es einen besseren Zeitpunkt, um eine Fremdsprache auf robuste und tiefgründige Weise zu erwerben, statt im Erwachsenenalter?


Ja – mit einigen Nuancen. Für den Zeitraum zwischen der Geburt und etwa fünf Jahren ist die Situation klar: Wenn ein Kind von Geburt an regelmäßig mit einer zweiten Sprache in Kontakt kommt, entwickelt sein kognitives System zwei Erstsprachen.


In der Altersgruppe der 3- bis 6-Jährigen erfolgt das Erlernen einer zweiten Sprache hauptsächlich dadurch, dass die Kinder alle Aktivitäten des täglichen Lebens für einen Teil des Tages regelmäßig in dieser Fremdsprache durchführen: Spiele, Routinetätigkeiten, Singen, Geschichten hören, Reime, Ausflüge, Reisen ...


„Sprachkurse“ im traditionellen Sinn des Wortes sind in diesem Alter nicht sinnvoll: Das Kind ist für Übungen, die für einen Sprachkurs typisch sind, nicht oder nur sehr schwer zugänglich: Präsentation von Vokabeln anhand von Listen, Lesen, Grammatikübungen etc.


Wenn es unserem Schulsystem gelänge, eine solche Organisation im Kindergarten einzuführen und in der Grundschule eine Kontinuität in der Art eines „Immersionsprogramms“ zu schaffen, würde es die Grundlage für das Heranwachsen einer Generation schaffen, die in der Lage ist, Schul- und Universitätskurse in zwei oder sogar drei Sprachen zu besuchen.

 

Im Alter von 8-10 Jahren ist das Kind – kognitiv gesehen – erwachsen, was das Erlernen einer Sprache betrifft. Es wird zugänglich für metasprachliche Aktivitäten (Beobachtung von Regelmäßigkeiten, Formulierung von Regeln ...), aber es hat die Fähigkeit verloren, eine große Anzahl sprachlicher Eigenschaften (Morphologie, Syntax, Phonologie, lexikalische Nuancen ...) auf instinktive Weise zu erwerben.


Ist man also als Erwachsener zu alt, um Deutsch wirklich gut zu lernen?


Die kurze Antwort lautet: Nein – aber die Bedingungen haben sich verändert.


Erwachsene können auch mit 30, 40, 50 oder 70 Jahren noch große Fortschritte im Deutschlernen machen. Was sich jedoch nicht beliebig nachholen lässt, sind bestimmte phonologische und morphologische Eigenschaften, die in frühen sensiblen Phasen besonders leicht erworben werden.


Wer das versteht, hört auf, sich mit Kindern zu vergleichen oder an mangelnder Begabung zu zweifeln, und beginnt, das eigene Lernen realistischer zu organisieren. Fortschritt im Erwachsenenalter bedeutet nicht, „wie ein Kind“ zu lernen, sondern mit einem anderen System, anderen Grenzen – und anderen Stärken.



Dr. Alfred Knapp ist Linguist und Fremdsprachendidaktiker mit langjähriger akademischer Lehr- und Forschungserfahrung im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Er lehrte an verschiedenen europäischen Universitäten und beschäftigte sich insbesondere mit Zweitspracherwerb bei Erwachsenen, Sprachwahrnehmung und lernprozessorientierter Didaktik. Er hat zahlreiche Seminare und Weiterbildungen für Lehrende im Bereich Fremdsprachendidaktik gehalten und in verschiedenen Fachzeitschriften publiziert. Seit 2021 ist er Teil des Teams der Online-Akademie von Deutsch mit Benjamin.

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Wer ist Benjamin Rannig?

Benjamin Rannig ist Gründer von Deutsch mit Benjamin und spezialisiert auf Aussprache, Prosodie und souveräne Kommunikation im Deutschen.
Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik an der Humboldt-Universität zu Berlin sammelte er früh Lehrerfahrung an Sprachinstituten im In- und Ausland. Seit 2020 leitet er seine eigene Online-Akademie, die sich an nicht-muttersprachliche Professionals richtet, die natürlich, souverän, mit mehr Präsenz und akzentfrei Deutsch sprechen wollen.

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